Ich weiß, ich bin verrückt. Total. Und überhaupt.
Aber: Da ich in ein paar Tagen für 4 Wochen in die Reha gehe, war die Überlegung, das Spinnrad mitzunehmen, sicherlich verständlich. Aber immer das Minstrel mitschleppen, das zum einen arg unhandlich ist und zum anderen doch schon mal mit Knarzerei auf den Transport reagiert??
Wie gut, daß mir da letztens noch einen Alternative ins Auge gefallen ist: Das Reisespinnrad Michi von G. von Schwarzenstein. Zur Homepage geht es hier lang: Klick.
Kurzerhand habe ich mir das komplette Programm mit 6 Spulen und Lazy Kate gegönnt und möchte hier meine ersten Erfahrungen mit Euch teilen!
Das Bestellen des Rades ging unkompliziert per Mail, Herr v. Schwarzenstein hat zur Bestätigung sogar bei mir angerufen. Gestern wurde es dann geliefert.

Bombige Verpackung, bei der man erstmal noch nicht das Allermeiste sieht, aber es ist alles super hier angekommen, keine Macken, Kratzer oder sonstige Mängel zu finden.
Dann ging es ans Auspacken und Aufbauen.

Beim Aufbauen sehr hilfreich: Die Bedienungsanleitung:

Und so sieht das Teilchen dann in voller Schönheit aufgebaut aus:


Das Rad ist sehr standfest, massiv und wackelt nicht ein kleines bißchen. Als zusätzliches Gimmick kann man die Pedale um ein paar Grad nach rechts oder links schwenken, um so eine optimale Sitzposition zu erreichen.
Hier sieht man auch, daß die sehr stabilen Pedale aus Laminat gefertig sind, die vertragen angeblich sogar Schuhe – würde mir ja nie in den Sinn kommen, aber man könnte Schuhe tragen, wenn man wollte.
Farblich abgestimmt passen die Pedale zu den Rillen der Schwung- und Kurbelräder, außerdem finden sich an den Füßen nochmals dunkelbraune Akzente.
Alles in allem also sehr ansehlich!
Die Pedale sind mit einer Art Metallfaden am Kurbelrad festgemacht, mit einem einfachen Handgriff kann man diese aus- oder auch wieder einhängen. Diese Metallfäden sind sehr stabil, aber trotzdem flexible, so daß es ein Kinderspiel ist.
Um das Rad zusammenzuklappen (was ja einer der entscheidenden Vorteile bei einem Reiserad ist), muß man diese Pedalaufhängungen auch aushängen.
Anschließend werden die Pedale, die am Boden mit einer flexiblen PUR Schnur eingehakt werden, auch ausgehakt und können dann nach oben geklappt werden.
Nach dem Hochklappen wird mit eben dieser PUR Schnur die Treteinheit fixiert, indem man sie in einen Haken am Ständer einhängt:

Um das Zusammenlegen zu komplettieren, werden die Antriebsriemen abgenommen und die Flügelschraube am Ständer gelöst, der Spinnkopf heruntergeklappt und die Flügelschraube wieder angezogen.
Im Prinzip sehr einfach, durch die Fixierungen der Teile stabil und fest. Man hat in keinster Weise das Gefühl, hier würde etwas wackeln oder nur provisorisch befestigt sein.
Ein kleines Manko hat das Rad aber: Trotz des Zusammenlegens ist es noch reichlich groß, ich hab auf Anhieb keine passende Tasche dafür gefunden, mein Mann meinte flachsig, ich könnte es ja in den kleinen Trolley packen, da würde es wirklich rein gehen und auch sehr geschützt sein.
Da das Rad komplett kugelgelagert ist, braucht man aber auch keine Angst haben, sich irgendwie mit Schmieröl zu bekleckern, das hab ich ja bei meinem Minstrel schon ein paar Mal gebracht, daß ich nach dem Ölen auch das T-Shirt eingesaut hatte…
Vollständig zusammengebaut sieht das Rädchen dann so aus:
Soviel also zum Thema Zusammen- und Auseinanderbauen.
Kommen wir mal zum Wesentlichen, zum Spinnen (kann man damit auch, glaubt es mir einfach!)
Bei mir war es Liebe auf den ersten Tritt, dransetzten, lostreten, flüsterleise, butterweich, einfach so, wie es sein muß! (Wenn Ihr mal die Ohren spitzt, könnt Ihr sogar den Ton hören, ich hab das Bild akkustisch unterlegt! Und, könnt Ihr es hören? Nein? Ist schon ok, ich auch nicht!!)
Die Besonderheit hier: Die wirklich große Bandbreite der Übersetzungen! Durch Wechseln oder Umlegen der Riemen kann man in kleinen Stufen von 1:2,6 bis 1:22 wählen!
Der Spinnflügel ist mit Slidinghooks ausgestattet, also kann man mühelos eine gleichmäßige Spule spinnen!
Desweiteren hat das Rad einen neuen Spinnkopf, der den Einzug des Fadens über weitere Riemen und Wirtel regelt. Auf den ersten Blick ist das ziemlich verwirrend, wenn man das Prinzip aber einmal durchschaut hat, ist es genial! Denn auch hier kann man den Einzug in sehr feinen Abstufungen regeln, indem man einen Riemen einen minimal kleineren oder größeren Wirtel verlegt. Einfach, aber sehr wirkungsvoll!
Der grüne Riemen ganz aussen links ist der Antriebsriemen, über den brauch ich wohl nichts sagen.
Der zweite linke Riemen dient der Grobeinstellung des Einzugs – in drei Stufen kann man hier festlegen, wie sehr das Rädchen seinen Faden aufspulen mag.
Gleichzeitig wird auch der hintere Riemen mit angetrieben und hier kann man über 2 Wirtel mit jeweils 5 Rillen die Feineinstellung vornehmen, denn mit sich füllender Spule verändert sich ja der Einzug des Fadens. Funktioniert genial, einfach den Riemen eine Rille nach vorne setzen und gut.
Das ganze ist in der Bedienungsanleitung übrigens genauso ausführlich beschrieben wie die einzelnen Übersetzungen, jeweils mit Bild und in Farbe! Man muß sich einmal ein wenig damit beschäftigen und ein wenig ausprobieren, aber ich fand es nicht schwer, das Rad auch ohne Einweisung in Betrieb zu nehmen.
Ein Wort noch zu den Spulen, auch dieses sind wohl durchdacht und haben eine wunderbare Lösung für den Anfangsfaden:
Duch dieses Loch steckt man den Anfangsfaden, der mit einem dicken Knoten einfach in der Spule hängen bleibt. Das leidige Problem des rutschenden Anfangsfadens hat sich hiermit also auch erledigt.
Und das, was dann beim Spinnen rumkommt, sieht so aus:
Ein Satz noch zu den Spinnösen, davon hab ich jetzt kein Bild, es erscheint mir aber trotzdem erwähnenswert: Es gibt drei verschiedene Spinnösen in verschiedenen Größen. Je größer die Öse, umso mehr Vibration ist im Faden drin, allerdings kann man mit den großen Ösen und den sehr großen Spulen (da sollen bis zu 200g auf die kleineren und 280g auf die größeren gehen) sogar Artyarn spinnen, dann macht die Übersetzungsbreite auch wieder Sinn, ich bin bisher bei so 1:10 rumgedümpelt, mal schauen, ob und wie ich das mal ausprobiere!
Erstes Fazit nach 24 Stunden:
Ein genial durchdachtes Rad mit vielen Extras, die das Spinnen zum reinsten Vergnügen machen! Auf Anhieb fallen mir nur zwei Kleinigkeiten auf, die man eventuell bemängeln könnte: Es gibt noch keine passende Tasche zu dem Rad (im Gegensatz zum Beispiel zur Anna vom Tom Walther). Und der Kunststoffkern der Spulen ist nicht so mein Geschmack, wobei ich denke, daß der Kunststoff hier dem Gewicht geschuldet ist, denn das dürfte deutlich leichter sein als entsprechende Holzkerne. Aber das sind in meinen Augen wirklich nur Nebensächlichkeiten!
Ich bin verliebt! Und möchte das alles mit Euch teilen. (Und ich bin nicht verwandt oder verschwägert mit dem Hersteller!!)
In meinen Augen sicherlich eine tolle Bereicherung des Spinnmarkts, eine einheimische Produktion, stabil, handwerklich solide, so macht Spinnen noch mehr Spaß!
(Weitere technische Details zum Rad sind hier zu finden!)